25.03.2014

Von: Anna Mikhaylova

Brandschutzgutachten zum Schutz der Tiere - Antrag abgelehnt!

Bauernhöfe statt Agrarfabriken

Kreistag stimmt fast geschlossen gegen Tierschutz!

Mit Spannung habe ich bei der letzten Kreistagssitzung auf die Befassung mit dem von den Grünen auf die Tagesordnung gesetzten Antrag zum Brandschutz bei der (industriellen) Massentierhaltung gewartet. Da hieß es zunächst, Geduld aufzubringen, denn dieser Antrag stand als letzter auf der umfangreichen Tagesordnung und wurde erst nach 22.30 Uhr behandelt.

Inhaltlich ging es lediglich darum, dass bestehende Bundes- und Landesgesetze zum Baurecht und dem Tierschutz auch bei agrarindustriellen Anlagen konsequent angewendet werden sollen. Nach normalem, gesunden Menschenverstand eine nachvollziehbare Forderung.

Meine Spannung schlug allerdings ziemlich schnell in blankes Entsetzen um. Kaum war die Antragsbegründung gegeben, setzte beißreflexartig die Gegenattacke namentlich durch die Abgeordneten Fokuhl (CDU) und Groth (ABLR) ein: Neben allerlei mehr oder weniger geschmacklosen Plattitüden gegen die Fraktionsvorsitzende der Grünen, kam sofort der vermeintlich vernichtende Vorwurf der „ideologischen Scheuklappe“. Nur, meine Herren, auch wenn dies, wie auch der Kreistag nicht der rechte Ort sein mag: Ideologie ist nicht per se ein Negativbegriff; er bedeutet nichts anderes, als eine Vorstellung (Idee) von dem zu haben, wofür man eintritt. Und dies erwarte ich zumindest von jedem, der für eine Partei spricht und insbesondere von Menschen, die für diese Ideen ein Mandat wahrnehmen; sei es auch „nur“ im Kreistag. Was Sie im allgemeinen Sprachgebrauch so gerne als ideologisch diffamieren ist semantisch und hermeneutisch treffender mit dem Begriff „demagogisch“ beschrieben. Dem waren die Gegenreden allerdings eher zuzuordnen als der Antrag.

Indes, Jürgen Fokuhl verstehe ich an dieser Stelle persönlich überhaupt nicht. Er ist doch – selbst für Grüne – ein vorbildlicher Bauer. Hält seine Tiere artgerecht und war durch Landverlust doch selbst von der kaltherzigen Gier der Agrarindustrie betroffen. Hat er nicht gelesen, dass es in der Überschrift des Antrages schon eindeutig um industrielle Tierhaltung ging? Einfach Beißreflex, oder war es für den frühaufstehenden redlichen Bauern doch schon zu spät? Dieser Schulterschluss mit der Agrarindustrie bleibt mir rätselhaft!

Von dem Bauernverband-Lobbyisten Groth hatte ich nichts anderes erwartet, es bleibt allerdings anzumerken, dass er lediglich dem CDU-Beitrag ein paar wenige Plattitüden hinzufügen konnte.

Soviel zu denen, die sich aus der Deckung getraut haben. Aber auch die anderen, schweigsamen Fraktionen haben bei mir Fragezeichen hinterlassen: FDP, okay, Schwamm drüber; bei den Linken kann ich mir vorstellen, dass romantisierende LPG-Fantasien im Wege stehen. Was ist aber mit der Sozialdemokratie? Da gibt es Leute, die in ihren Kommunen sehr engagiert und beherzt gegen Massentierhaltung vorgehen und auch klug argumentieren; warum dieses Wegducken im Kreistag?

Abschließend sei mir erlaubt (Achtung Fokuhl, Groth und demokratische Fraktionen) noch auf eine in unseren Breiten ziemlich prägende Ideologie, das Christentum zu verweisen: Die CDU trägts im Namen, die SPD hat akademisch ausgewiesene Expertise in der Fraktionsführung und selbst die Linke teilt (mittlerweile) den Werte-Canon: Also wenn überhaupt, geht’s im Landkreis Ludwigslust-Parchim maximal alttestamentarisch zu – zumindest im Bereich Tierschutz!

Maik Kindler, Grebbin

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